{"id":572,"date":"2018-12-07T14:46:20","date_gmt":"2018-12-07T14:46:20","guid":{"rendered":"http:\/\/empirische-designforschung.de\/?p=572"},"modified":"2018-12-07T14:46:20","modified_gmt":"2018-12-07T14:46:20","slug":"designforschung-und-gesundheit-jenseits-deutscher-akademischer-systeme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gesunde-gestaltung.de\/en_us\/uncategorized\/designforschung-und-gesundheit-jenseits-deutscher-akademischer-systeme\/","title":{"rendered":"Designforschung und Gesundheit jenseits deutscher akademischer Systeme"},"content":{"rendered":"<p>Wer in den vergangenen Monaten in einschl\u00e4gigen deutschen Foren und Plattformen nach Veranstaltungen zu Designforschung und Gesundheit gesucht hat, wurde erstaunlicherweise nicht sehr f\u00fcndig. Dabei zeigte sich zum Beispiel mit der breit aufgestellten Konferenz <a href=\"https:\/\/research.shu.ac.uk\/design4health\/conferences\/design4health2018-sheffield\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Design4Health<\/a> an der Sheffield Hallam University in England wie agil, transdisziplin\u00e4r und produktiv der internationale Designforschungsdiskurs ist &#8211; und leider auch wie wenig davon im deutschen Sprachraum ankommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In drei gut gef\u00fcllten Tagen versammelten sich neben Fachpersonen aus Desginpraxis, Designforschung und Architektur auch auffallend viele Physio-, Ergo- und Logotherapeuten, Pflegekr\u00e4fte und \u00c4rzte. Dabei reichte die Spannweite der Beitr\u00e4ge von Methodologie und Theorie \u00fcber Fallbeispiele bis hin zu grundlegenden Impulsvortr\u00e4gen zum Stellenwert der Designforschung und ihren ethischen, strategischen und wirtschaftlichen Problemfeldern. Trotz strengem Peer-Review-Prozess lie\u00dfen sich qualitative Differenzen nicht vermeiden. Gleichzeitig zeigte sich jedoch mit dieser internationalen Auswahl aus Forschenden aus Kanada, Neuseeland, Israel und vielen weiteren L\u00e4ndern, dass Gestaltung im Kontext von Gesundheitsf\u00f6rderung und Therapie genau so wie deren designforscherische Betrachtung ohne ein umfassendes fallgerechtes methodisches Repertoire nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df ist. Insbesondere die Einbeziehung empirischer Methoden und fundierter transdisziplin\u00e4rer wissenschaftlicher Erkenntnisse belegt dabei eine belastbare und seri\u00f6se Auseinandersetzung mit dem Gestaltungsgegenstand. Genau hier zeigte sich auch, dass gestalterische Forschung trotz ihrer N\u00e4he zu k\u00fcnstlerischer Praxis und ergebnisoffenen Kreativans\u00e4tzen strenge wissenschaftliche Prozesse einbeziehen kann, um an Struktur und Stringenz zu gewinnen, ohne dabei ihre designerische Herangehensweise im Sinne der \u201edesignerly ways of knowing\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container hundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-overflow:visible;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start\" style=\"width:calc( 100% + 0px ) !important;max-width:calc( 100% + 0px ) !important;margin-left: calc(-0px \/ 2 );margin-right: calc(-0px \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column fusion-flex-align-self-flex-start fusion-column-no-min-height\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:0px;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:0px;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:0px;--awb-spacing-left-medium:0px;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:0px;--awb-spacing-left-small:0px;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\">[1]<\/a> zu verlieren. Erfreulicherweise wurde hierzu kaum auf stereotype Herangehensweisen wie dem Design Thinking Ansatz verwiesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inhaltlich zeigt sich die Offenheit und Komplexit\u00e4t des internationalen Designforschungsdiskurs im Gesundheitskontext besonders in der Spannweite der pr\u00e4sentierten Vortr\u00e4ge. W\u00e4hrend Design im Gesundheitskontext noch h\u00e4ufig mit klassischer Medizintechnik in Verbindung gebracht wird und somit der n\u00e4chste R\u00f6ntgenapparat im Vordergrund stehen k\u00f6nnte, zeigte eine Keynote-Speech zur Bedeutung der Typografie im gesundheitlichen Kontext die Verantwortung aller gestalterischer Bem\u00fchungen um den Themenbereich Gesundheitsf\u00f6rderung. Ebenso wurde auch der Technologietransfer und der mit dem Design per se verbundene Machbarkeitsoptimismus auf originelle Weise thematisiert. So betonte die 86-j\u00e4hrige Weltrekorthalterin im Fallschirmspringen Dilys Price die Bedeutung der Designbem\u00fchung als Erforschung des Machbaren. Nachdem sie mit 54 Jahren mit dem Fallschirmspringen begann und mit 85 ihren 1139sten Solo-Sprung absolvierte, ist es ihr Anliegen sich f\u00fcr die Gestaltung als Enabler-Disziplin einzusetzen. Ihre Leidenschaft f\u00fcr diesen Sport war letztenendes nur durch gestalterische Innovationen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die f\u00fcnfte Auflage dieser zweij\u00e4hrigen Konferenz Design4Health ist damit keine Ausnahmeerscheinung auf dem Gebiet der Designforschung, obgleich sie durch vielf\u00e4ltige Workshops, partizipative Formate, Entspannungs-Strick-Ecken und einigem mehr ein gutes Beispiel designforscherischer Konferenzformate pr\u00e4sentiert. Viel mehr zeigt sich aber, dass die internationale Entwicklung auf dem Gebiet von Designforschung und Gesundheit gro\u00dfe methodische Schritte macht und sich dabei aktiv anderen Disziplinen und Fachfeldern \u00f6ffnet. Umso beunruhigender ist es dabei f\u00fcr den deutschsprachigen Designforschungsdiskurs, dass derartige Veranstaltungen nur eine marginale Bedeutung gewinnen und ihre weitreichenden Erkenntnisse hierzulande unterzugehen scheinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwar entwickelt sich auch in Deutschland die Designforschung mit Vereinigungen, Konferenzen und Plattformen. Doch ist diese Entwicklung\u00a0 recht z\u00f6gerlich und im medizinischen Bereich leider oft sehr industrie-getrieben. Akademische Designforschung im Gesundheitsbereich in einer globalisierten Welt bedeutet in erster Linie internationaler Austausch und universit\u00e4re Kooperation. Und hierzu sollte sich auch der deutschsprachige Designforschungsdiskurs mit Plattformen wie der Design and Health 2017 in Wien oder der Design4Health 2018 in Sheffield auseinandersetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/oro.open.ac.uk\/view\/person\/ngc3.html\">Cross, Nigel<\/a> (2007). <em>Designerly Ways of Knowing.<\/em> Board of International Research in Design. Basel: Birkhauser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/div><\/div><\/div><\/div><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in den vergangenen Monaten in einschl\u00e4gigen deutschen Foren und Plattformen nach Veranstaltungen zu Designforschung und Gesundheit gesucht hat, wurde erstaunlicherweise nicht sehr f\u00fcndig. 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